"Christliches Handeln in der DDR - Die Stasibearbeitung der Kirche in Zwickau und Werdau"
Religionsschüler des Clara-Wieck-Gymnasiums Zwickau haben in einem Projekt mit dem Thema: "Zur Zukunft gehört die Erinnerung" das christliche Handeln in der DDR aufgearbeitet und besonders die Stasibearbeitung der Kirche in der Region herausgearbeit. Ihre Erkenntnisse und Ergebnisse haben sie in einer Ausstellung zusammengefasst. Sie haben u. a. den Operativen Vorgang (OV) "Kontrahent" des Pfarrers Dr. Edmund Käbisch aufgebarbeitet.
Das sind die beiden Religionsschüler Caroline G. und Georg Martin, die
seit 2005 die Ausstellung bis zu ihrem Abitur 2007 weiterführten.
Acht Religionsschüler haben 2004 mit dem Projekt begonnen. Es sind folgende
Schüler, die freiwillig
diese Aufgabe und Arbeit übernahmen: Susann V.,
Susann U., Catharina J., Katharina Z., Anett S, Mirjam W., Anne H, Saskia S. (eine Schülerin fehlt)
Am 11. Januar 2005 konnte die Ausstellung im Landgericht Zwickau eröffnet
werden. Sie fand ein großes
Zuschauerecho,
weil die Bevölkerung sehr an den lokalen Ereignissen der DDR-Diktatur
interessiert war.
Damit die Ausstellung auch in anderen Städten gezeigt werden konnte, wurde
beschlossen, die bestehende
Ausstellung zu einer Wanderausstellung
umzugestalten und sie später in die Bibelausstelllung "Die Bibel in den
beiden
Diktaturen des 20. Jahrhunderts" zu integrieren. Seitdem geht sie
auf Wanderschaft. Diese Ausstellung
konnte
bereits an 50 verschiedenen Städten Deutschlands gezeigt werden.
Im Mai 2010 kommt sie als Jubiläumsausstellung auf die Burg Schönfels. Der sächsische Ministerpräsident
Stanislaw Tillich hat die Schirmherrschaft übernommen.

Beim Victor-Klemperer-Wettbewerb 2006 erhielten die Schüler diese Urkunde.
Die erste Schülerausstellung
Bereits im Jahr 1999 begann die Aufarbeitung der DDR-Geschichte mit Schülern. Religionsschüler der 10. Klasse vom Gerhart-Hauptmann-Gymnasium wollten genau wissen, wie Friedensarbeit in der DDR und in Zwickau möglich war. Die Schüler Sebastian O., Mathias V., Axel M. und Sebastian S. haben ein Projekt freiwillig übernommen. Sie wollten mit Hilfe authentischen Materials herausfinden, wie es in Zwickau zu den Friedensgebeten kam, die während der friedlichen Revolution eine große Rolle spielten und zur gewaltlosen Veränderung der sozialistischen Gesellschaft führten. Da in den Stasi-Akten des Religionslehrers, die von der Stasi mit dem OV „Kontrahent“ bezeichnet wurden, diese Zeit am Zwickauer Dom umfangreich dokumentiert worden war, konnte Dr. Edmund Käbisch den Schülern, ohne die sonst erforderlichen Genehmigungen der BStU einholen zu müssen, seine persönlichen Akten als Kopie aushändigen. Die Schüler haben sich verpflichtet, den Datenschutz einzuhalten, die Persönlichkeitsrechte zu achten, die Kopien nur für das Projekt zu verwenden und diese nach Beendigung des Projekts wieder zurückzugeben. Weiterhin haben sie sich auch mit entsprechender Fachliteratur auseinandergesetzt und sich dann entschieden, die gewonnen Erkenntnisse nicht nur der Klasse vorzulegen, sondern sie zu einer kleinen Ausstellung zusammenzufassen.
Diese Schülerausstellung wurde am 23. Mai 2000 unter dem Thema „Wie die Stasi gegen die Kirche in Zwickau vorging“ im Landgericht vom Landgerichtspräsidenten Jürgen Kränzlein eröffnet. Dabei unterstrich er in seiner Begrüßung die Ungeheuerlichkeit des Vorgehens der Stasi, wie sie IM beauftragte, um das Vertrauen ihrer Opfer zu erschleichen, um so Informationen zu gewinnen und diese dann der Stasi zu übermitteln. Er stellte auch die Frage in den Raum: „Würden wir uns heute immer standhaft dagegen zu Wehr setzen?“
Die Schüler stellten ihre Ausstellung vor und schilderten von der Kompliziertheit und Mühsamkeit der Aufarbeitung. Sie mussten sich z. B. erst in die Sprache der Stasi einlesen, denn das gesamte Vorgehen der Stasi kann nur unter dem Blickwinkel der Konspiration richtig eingeschätzt werden. Bei der Eröffnung begrüßte Hansjörg Fiedler vom Zwickauer Regionalschulamt diese wichtige Arbeit mit den Worten: „Je schneller man vergessen möchte, umso größer ist die Gefahr, dass sich etwas wiederholen kann.“
Die Schüler haben in der Ausstellung auch eine Liste von 56 IM, die über Dr. Käbisch berichtet hatten und zu diesem Zeitpunkt von der BStU zweifelsfrei identifiziert wurden, mit ausgelegt. Weiterhin stellte die Gauckbehörde Leihgaben – z. B. Abhörtechnik, Fotoapparate für konspirative Aufnahmen, Stasiausweise, Orden für Stasi-Mitarbeiter – für die Schülerausstellung zur Verfügung.
Erstmalig wurde in Zwickau so ein Thema der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Ausstellung wurde gut besucht, zumal die Zeitungen ausführlich darüber berichteten. Auch wurde Protest laut, wie es in der „Freie Presse“ vom 25.5.2000 festgehalten wurde. Eine anonyme Anruferin stellte sich auf die Seite der entlarvten Spitzel, die nun zu leiden hätten, weil nun die Öffentlichkeit von ihrem Schnüffeldienst wüsste.