Besinnung zur ersten Bibelausstellung im Landgericht Zwickau
von Pfarrer i. R. Dr. Edmund Käbisch

home

Dieses Symbol stand im Dom
nicht nur zu den Friedensgebeten

1.) Eine Ausstellung sollte wie eine Andacht sein. In der Andacht wird über ein Bibelwort nachgedacht. Aus der Sicht der Bibel wird etwas angedacht, bedacht, überdacht und soll zum Anregen und Überlegen führen. Eine Andacht möchte Gedanken verändern, Ideen fördern aber auch den Glauben bestätigen. Bestehendes kann aus einer anderen Perspektive betrachtet oder Vertrautes im neuen Licht gesehen werden. Der eigene Blick erweitert sich. Andachten und Ausstellungen bleiben fade, wenn sie nur Bestätigung und Kopfnicken hervorrufen. Die Ausstellung möchte Diskussionen, Gespräche, Proteste oder sogar Widerspruch auslösen, aber auch Menschen unter einem Thema zusammenbringen. So wird etwas verändert. Da ist eine Ausstellung gut.

2.) Eine Bibelausstellung sollte mit Worten der Bibel beginnen. Im Psalm 14,1 steht: „Es ist kein Gott.“ Das steht schwarz auf weiß in der Bibel. Damit scheint die Bibel den Atheismus zu belegen. Es gibt keinen Gott! – Wer so die Bibel liest, der betreibt Missbrauch. Die Bibel muss richtig gelesen werden. Es dürfen keine halben Sätze herausgepickt werden. Der ganze Satz heißt: „Die Toren sprechen in ihrem Herzen: Es ist kein Gott.“ Erst der ganze Zusammenhang bringt die Wahrheit der Bibel zum Vorschein.

3.) Die Bibel ist wie ein Licht in dieser Welt. Worte der Bibel erhellen die Dunkelheit der Welt. Jeder weiß, wie es in der Welt zugeht: Krankheit, Alter, Leid, Tod, Hass, Versagen, Feindschaft, Krieg. In der Bibelausstellung soll eine Kerze entzündet werden, die mit Stacheldraht umwunden ist. Licht ist das Zeichen der Hoffnung und Stacheldraht das Symbol für unsere Welt, in der jeder leben muss. Jeder erlebt Stacheldraht und darf sich glücklich schätzen, wenn er ein Licht der Hoffnung besitzt. Punktuell erinnert die Bibelausstellung an Menschen, die in ihrem Leben das Licht, das von der Bibel ausgeht, erfahren haben. An ihr Glaubensmut wird gedacht und ihr Schicksal soll nicht vergessen werden.

4.) Die Bildtafeln sind überlegt angeordnet. Sie beginnen mit der Christianisierung der Region und enden mit der neuen Kloster- und Schulgründung, so wie es vor fast tausend Jahren begann. Es scheint, dass heute vom katholischen Glaube die meiste geistliche und geistige Kraft ausgeht, die die Region verändert. Auch die Tafel der Werdauer Oberschüler steht vor der Tür des Gerichtssaales, hinter der die Schüler 1951 in wenigen Stunden zu schwersten Zuchthausstrafen verurteilt wurden.

5.) Im Zusammenhang der Bibelausstellung wurde die Zwickauer Thora, die die Vernichtung der Reichspogromnacht überstand, in der Ratsschulbibliothek gefunden. Sie soll am 22. Juni offiziell von der Stadt der jüdischen Gemeinde übergeben werden. Der Landesrabbiner Siegl regte an, dass aus Anlass der Übergabe ein ökumenischer Gottesdienst stattfinden soll und der Dom wurde vorgeschlagen. Dazu werden die beiden Bischöfe Kreß (evangelisch) und Reinelt (katholisch) kommen. So etwas scheint noch nicht dagewesen zu sein, ein ökumenischer Gottesdienst mit Juden. Das bereitet Kopfzerbrechen, weil da Jesus Christus und der heilige Geist vor der Tür gelassen werden muss? Aber Juden und Christen glauben an den Gott, der in der Thora beschrieben wird. Damit hat die Bibelausstellung etwas angeregt und ein Dialog setzt ein. So ist die Bibel, denn sie kann Neues entstehen lassen. Die Bibelausstellung hinterlässt Spuren.
 

Landgerichtspräsident Kränzlein eröffnet die Ausstellung

Dr. Käbisch während seiner Rede