Flyer für die Ausstellung

"Die Bibel in den beiden Diktaturen des 20. Jahrhunderts"

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   Die Idee einer Bibelausstellung wurde vom ehemaligen Bürgermeister Hahn aus Lichtentanne (Landkreis Zwickauer Land) angeregt. Es gründete sich ein ökumenischer Arbeitskreis, der sich bemühte, punktuell die Bedeutung der Bibel für die westsächsische Region aufzuarbeiten. Diese Ausstellung wurde im Jahr 2002 auf der Burg Schönfels gezeigt. Weil ein übergroßer Zuschauerandrang war, hat sich der Arbeitskreis entschlossen, aus den angefertigten Informationstafeln eine Wanderausstellung zu gestalten, um sie an andere Orte zu bringen. Seitdem wurde sie stets aktualisiert und konnte bisher an über 50 Orten in Ost- und Westdeutschland gezeigt werden.
   Im Jahr 2005 wurde besonders hervorgehoben und daran gedacht, dass vor 15 Jahren die deutsche Wiedervereinigung stattfand und Aussagen der Bibel die friedliche Revolution 1989 mitbestimmten. Sie gab damals den Menschen Mut, Kraft und Hoffnung auf Veränderung und Umgestaltung der Gesellschaft.
   Das Hauptaugenmerk der Ausstellung liegt nicht auf dem gedruckten Buch ,,Bibel", sondern wie der Inhalt des Buches Menschen verändert und damit Geschichte gemacht hat. Ergreifende Lebens- und Glaubenszeugnisse wurden recherchiert und dokumentiert. Es sind Menschen, die in den beiden Diktaturen des 20. Jahrhunderts versuchten, ihr Leben nach den Worten der Bibel auszurichten. Dabei erwiesen sie Glaubensmut und besaßen Zivilcourage, auch wenn sie dafür Verfolgung oder sogar den Tod erlitten. Sie haben Geschichte geschrieben. An diese  Menschen wird erinnert, denn sie dürfen nicht vergessen werden. Ihre Namen werden mitunter aus der Anonymität geholt, erhalten ein Gesicht und werden damit gewürdigt. Ihr Glauben und Leben regen zur Nachfolge an. Das ist das Besondere dieser Ausstellung (wahrscheinlich deutschlandweit einmalig), dass so „lebende“ Bibeln öffentlich gemacht werden. Anhand dieser Personen wird konkret und anschaulich ein Stück Kirchengeschichte der Zwickauer Region nachvollziehbar. Der Besucher hat die Möglichkeit, sich in diesen Teil Deutschlands hineinzuversetzen.
   In Vitrinen werden Bibeln aus der Bevölkerung - Lebensbibeln - gezeigt. An den Gebrauchsspuren und Eintragungen kann erahnt werden, welche Bedeutung dieses Buch für den Leser hatte, der im Krieg, in der Verbannung, im Konzentrationslager, im Zuchthaus, bei den Bausoldaten, im Krankenhaus war oder der sich für die Bibelmission eingesetzt hatte, der verhört wurde oder im Konfliktfeld Jugendweihe-Konfirmation stand.
      Auch der Missbrauch der Bibel in den beiden Diktaturen des letzten Jahrhunderts wurde aufgearbeitet, weil da Verrat an der Sache Gottes geschah. Diese Dokumentationen verdeutlichen, wie Vertrauen zerstört wurde. So etwas sollte nie wieder geschehen! Jedoch im Mittelpunkt stehen Lebenswege von standhaften Christen aus der Nazizeit und der ehemaligen DDR. Denen sollte nachgeeifert werden! Über Leseelemente kann das eigene Wissen weiter vertieft werden.  Jeder  kann  sich  über PowerPoint-Präsentationen oder Audiostationen informieren oder sein Wissen testen. Weiterhin wird versucht, die Bibel mit Einsatz vieler Sinnesorgane (multimedial) anschaulich zu machen, damit der Besucher etwas von dem Geheimnis dieses Buches erahnt und verändert nach Hause geht.
   Ab 2006 wurde die Schülerpräsentation „Christliches Handeln in der DDR“ mit in die Ausstellung aufgenommen. Sie ist das Ergebnis des Projektes „Zur Zukunft gehört die Erinnerung“, das von Religionsschülern des Clara-Wieck-Gymnasiums Zwickau erarbeitet wurde. Junge Menschen haben sich mit der Kirchengeschichte der 1980er Jahre auseinander gesetzt. Damals wurden engagierte Christen, die versuchten, Worte der Bibel in der Gesellschaft Wirklichkeit werden zu lassen - z. B. Schwerter zu Pflugscharen umzuschmieden - als Feinde angesehen und entsprechend von der Stasi bearbeitet. 2008 wurde die Schülerausstellung deutschlandweit bekannt, weil Holm Singer, der sich als IM „Schubert“ bei der Stasi verpflichtet hatte, beim Gericht klagte und eine Einstweilige Verfügung erwirkte, dass sein Name nicht genannt werden sollte. Jedoch die Klage wurde aus formalen Gründen abgewiesen und sein Name kann wieder genannt werden.
    Im Mai 2010 kehrt die Wanderausstellung auf die Burg Schönfels als Jubiläumsausstellung zurück. Der sächsische Ministerpräsident Stanislaw Tillich hat die Schirmherrschaft übernommen. Dort soll auch die bewegte Geschichte der Ausstellung und das ungebrochene Interesse der Bevölkerung an den Ereignissen der beiden Diktaturen mit dokumentiert werden. 
   Die Ausstellung ist nicht ausschließlich für Gläubige konzipiert, sondern für jeden, der sich über die Wirkungszusammenhänge, die in der Bibel ihren Ursprung haben, informieren und sachkundig machen möchte. Somit ist die Ausstellung geeignet für Schulklassen (Deutsch, Geschichte, Gesellschaftskunde, Ethik, Religion...), aber auch für kirchliche Gemeindekreise, Konfirmandengruppen, Kinder, Erwachsene, Eltern, Touristen und alle Interessierte.